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Werkzeug zur Gutachtenprüfung

Gutachten-Selbstcheck

Mit diesem Selbstcheck prüfen Sie Ihr familienpsychologisches Gutachten Punkt für Punkt gegen die veröffentlichten Mindestanforderungen an die Qualität von Sachverständigengutachten im Kindschaftsrecht (3. Auflage 2025). Die Mindestanforderungen halten ausdrücklich fest, dass nicht nur das Gericht, sondern auch Anwälte und Verfahrensbeteiligte das Gutachten kritisch würdigen sollen (Rn. 18). Jede Frage ist mit der Fundstelle belegt, aus der sie abgeleitet ist. Der Check ersetzt keine anwaltliche oder psychologische Prüfung.

Themen-Cluster:Gesundheit

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Diese Seite ist keine Rechtsberatung. Sie ordnet ein und zeigt dokumentierte Fälle, sie ersetzt keine anwaltliche Vertretung.

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Fälle wie Ihrer

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Wie viele Kinder sind betroffen? Diese Angabe ist freiwillig.

Dies sind Erfahrungsberichte und Dokumentationen, keine Rechtsberatung.

Frage 0 von 19Beantworte alle Fragen für die Auswertung

Abschnitt A: Formaler Rahmen

Frage 1

Ist die wörtliche Fragestellung des Gerichts (Beweisbeschluss) im Gutachten wiedergegeben?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Die Beweisfrage sollte im Wortlaut zitiert sein, nicht nur sinngemäß.

Quelle: Rn. 42, Seite 14 bis 15 · Mindestanforderungen, Seite 14

Frage 2

Sind Name, berufliche Abschlüsse und Zusatzqualifikationen des Sachverständigen genannt, und gehört er zu den in § 163 Abs. 1 FamFG genannten Berufsgruppen?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Die Mindestanforderungen verlangen zusätzlich nachgewiesene forensische Kenntnisse über die üblichen Studieninhalte hinaus.

Quelle: Rn. 33, Seite 11 und Rn. 42, Seite 14 · Mindestanforderungen, Seite 11 · § 163 FamFG

Frage 3

Sind alle Untersuchungstermine mit Datum, Ort und Dauer aufgeführt?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Prüfe auch, ob die Termine im Text mit denen in einer Übersicht übereinstimmen.

Quelle: Rn. 42, Seite 15 · Mindestanforderungen, Seite 15

Frage 4

Sind sämtliche Informationsquellen benannt: Akten, Unterlagen, Auskünfte Dritter und mitwirkende Hilfskräfte?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Für Dritte muss ersichtlich sein, welcher Untersucher bei welchem Teil mitgewirkt hat.

Quelle: Rn. 24, Seite 8 und Rn. 42, Seite 15 · Mindestanforderungen, Seite 8 · Mindestanforderungen, Seite 15

Frage 5

Ist das Gutachten vom beauftragten Sachverständigen persönlich unterschrieben und datiert?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Der Sachverständige hat das Gutachten persönlich zu erstatten (§ 407a ZPO).

Quelle: Rn. 42, Seite 15 · Mindestanforderungen, Seite 15 · § 407a ZPO

Frage 6

Wurden Sie zu Beginn der Begutachtung über Freiwilligkeit, die fehlende Schweigepflicht des Sachverständigen gegenüber dem Gericht und den Datenschutz informiert?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Die Mindestanforderungen sehen dokumentierte datenschutzrechtliche Informationen und eine Erklärung von Fragestellung und Untersuchungsplan vor.

Quelle: Rn. 12, Seite 6 und Rn. 41, Seite 13 · Mindestanforderungen, Seite 6 · Mindestanforderungen, Seite 13

Abschnitt B: Methodik

Frage 7

Wurden aus der gerichtlichen Fragestellung ausdrücklich psychologische Fragen (Arbeitshypothesen) abgeleitet?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

In der Hagener Untersuchung fehlte diese Ableitung in 56,0 Prozent der 116 Gutachten. Das BVerfG sieht die Ableitung als Aufgabe des Sachverständigen an.

Quelle: Rn. 44, Seite 15; BVerfG Rn. 27; Untersuchungsbericht Hagen Seite 14 · Mindestanforderungen, Seite 15 · BVerfG 1 BvR 1178/14 · Untersuchungsbericht Hagen 2014, Seite 14

Frage 8

Ist begründet, warum die eingesetzten Verfahren (Gespräche, Beobachtungen, Tests) konkret zur Beantwortung dieser psychologischen Fragen beitragen?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

In der Hagener Untersuchung fehlte diese Begründung in 85,5 Prozent der Gutachten.

Quelle: Rn. 21, Seite 8; Untersuchungsbericht Hagen Seite 16 · Mindestanforderungen, Seite 8 · Untersuchungsbericht Hagen 2014, Seite 16

Frage 9

Wurde die Konfliktsituation unmittelbar bei den Familienmitgliedern erhoben, also mit beiden Eltern und den Kindern selbst gesprochen?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Die Erhebung darf nicht allein auf Akten oder Angaben Dritter beruhen.

Quelle: Rn. 45, Seite 15 · Mindestanforderungen, Seite 15

Frage 10

Sind Verhaltensbeobachtungen (Eltern-Kind-Interaktion) so beschrieben, dass Planung, Setting und Beobachtungskriterien erkennbar sind?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

In der Hagener Untersuchung war bei 96,8 Prozent der Gutachten mit geplanten Beobachtungen nicht nachvollziehbar, dass es sich um systematische Beobachtungen im wissenschaftlichen Sinn handelte.

Quelle: Rn. 41, Seite 13 bis 14; Untersuchungsbericht Hagen Seite 20 · Mindestanforderungen, Seite 13 · Untersuchungsbericht Hagen 2014, Seite 20

Frage 11

Stützt sich das Gutachten auf mehrere unterschiedliche Datenquellen (multimodales Vorgehen)?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Gefordert sind Ergebnisse verschiedener Verfahren oder Angaben verschiedener Personen.

Quelle: Rn. 45, Seite 15 bis 16 · Mindestanforderungen, Seite 15

Frage 12

Wurde nachvollziehbaren kindeswohlrelevanten Bedenken (zum Beispiel Gewalt, Vernachlässigung) diagnostisch nachgegangen und ist das dargestellt?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Bei Bedarf muss der Sachverständige beim Gericht eine Erweiterung des Auftrags anregen.

Quelle: Rn. 45, Seite 15 · Mindestanforderungen, Seite 15

Frage 13

Werden methodische Einschränkungen der eingesetzten Verfahren benannt?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

In der Hagener Untersuchung wurden in 78,4 Prozent der Gutachten keinerlei methoden- oder durchführungsbedingte Einschränkungen diskutiert.

Quelle: Anhang VI Nr. 11, Seite 25; Untersuchungsbericht Hagen Seite 26 · Mindestanforderungen, Seite 25 · Untersuchungsbericht Hagen 2014, Seite 26

Abschnitt C: Darstellung und Bewertung

Frage 14

Ist die Darstellung der Untersuchungsergebnisse klar von der Bewertung getrennt?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Der Berichtsteil muss neutral und ohne Wertung sein, die Beurteilung erfolgt in einem eigenen Teil.

Quelle: Rn. 24, Seite 8 und Rn. 46, Seite 16; Berufsethische Richtlinien 8.2 (3) · Mindestanforderungen, Seite 8 · Mindestanforderungen, Seite 16 · Berufsethische Richtlinien, Abschnitt 8.2

Frage 15

Stützt sich jedes als gegeben angenommene Kriterium (Bindung, Erziehungsfähigkeit, Kindeswille) auf mindestens zwei unterschiedliche Informationsquellen?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Prüfe für jede zentrale Aussage, ob sie aus Akte und Untersuchung oder aus zwei Untersuchungsquellen belegt ist.

Quelle: Rn. 46, Seite 16 · Mindestanforderungen, Seite 16

Frage 16

Legt das Gutachten sein Bewertungssystem offen und benennt alternative Bewertungen sowie alternative Regelungsmöglichkeiten mit Vor- und Nachteilen?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Bei offenen Fragen muss auf die eingeschränkte Gültigkeit der Empfehlung hingewiesen werden.

Quelle: Rn. 46, Seite 16 und Rn. 47, Seite 17 · Mindestanforderungen, Seite 16 · Mindestanforderungen, Seite 17

Frage 17

Beschränkt sich das Gutachten auf die gestellten Fragen, ohne rechtliche Schlussfolgerungen zu ziehen und ohne die Beweisfrage eigenmächtig zu erweitern?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Die Einordnung in rechtliche Kategorien obliegt dem Gericht. Die Mitteilung einer akuten Kindeswohlgefährdung bleibt davon unberührt.

Quelle: Rn. 47, Seite 17 · Mindestanforderungen, Seite 17

Frage 18

Sind die Empfehlungen für jedes Kind individuell begründet, statt mit pauschalen Regelungsmodellen zu arbeiten?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Pauschale Modelle für Betreuung oder Verantwortungsbereiche verbieten sich nach den Mindestanforderungen.

Quelle: Rn. 47, Seite 17 · Mindestanforderungen, Seite 17

Abschnitt D: Neutralität

Frage 19

Begegnet das Gutachten beiden Elternteilen erkennbar unvoreingenommen, ohne sachfremde Erwägungen und ohne einen Elternteil an einem bestimmten Lebensmodell statt am Kindeswohl zu messen?

Wo steht das üblicherweise im Gutachten?

Das BVerfG hat ein Gutachten beanstandet, das Erziehungsfähigkeit an einem Leitbild wie Leistung, Beruf oder Dauerpartnerschaft maß. Eine therapeutische, private oder geschäftliche Beziehung zu einem Familienmitglied darf nicht bestehen oder bestanden haben; Befangenheit kann nach § 406 ZPO gerügt werden.

Quelle: Rn. 29 bis 31; Mindestanforderungen Rn. 13, Seite 6 und Anhang VI Nr. 13 bis 14, Seite 26 · BVerfG 1 BvR 1178/14 · Mindestanforderungen, Seite 6 · Mindestanforderungen, Seite 26 · § 406 ZPO

Quellen

  1. [MA] Arbeitsgruppe Familienrechtliche Gutachten: Mindestanforderungen an die Qualität von Sachverständigengutachten im Kindschaftsrecht, 3. überarbeitete Auflage, 2025. https://www.rechtspsychologie-bdp.de/wp-content/uploads/2025-10-31-Mindestanforderungen-an-die-Qualitaet-von-Sachverstaendigengutachten-im-Kindschaftsrecht-3.-Auflage.pdf Begleitseite: https://www.rechtspsychologie-bdp.de/2025/09/22/mindestanforderungen-an-die-qualitaet-von-sachverstaendigengutachten-im-kindschaftsrecht-in-dritter-ueberarbeiteter-auflage/
  2. [BVerfG] Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 19.11.2014, 1 BvR 1178/14. https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2014/11/rk20141119_1bvr117814.html
  3. [SST] Salewski, C. und Stürmer, S.: Qualitätsmerkmale in der familienrechtspsychologischen Begutachtung, Untersuchungsbericht I, FernUniversität in Hagen, 2014. https://www.fernuni-hagen.de/psychologie/docs/untersuchungsbericht1_fprgutachten_2014.pdf Begleitseite: https://www.fernuni-hagen.de/gesundheitspsychologie/forschung/qualitaetsstandarts-gutachten.shtml
  4. [BER] Berufsethische Richtlinien des BDP und der DGPs, Fassung 2023, Abschnitt 8.2. https://www.dgps.de/fileadmin/user_upload/PDF/Berufsetische_Richtlinien/BER-Foederation-20230426-Web-1.pdf#page=27
  5. [FamFG] § 163 FamFG. https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__163.html
  6. [ZPO406] § 406 ZPO. https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__406.html
  7. [ZPO407a] § 407a ZPO. https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__407a.html

Die Mindestanforderungen wurden von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe mit fachlicher Unterstützung des Bundesministeriums der Justiz und unter Einbindung des Bundesgerichtshofs und der Landesjustizministerien erarbeitet. Beleg: Begleitseite der BDP-Sektion Rechtspsychologie.

Stand: 12.09.2026

Hintergrund zu Qualität, Kosten und Reformgeschichte familienpsychologischer Gutachten finden Sie auf der Seite Gutachten und Gutachter.

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